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zu Benedikt XVI.







Papst Johannes Paul II.
Ansprache an die Jugendlichen aus der Westschweiz
Eisstadion St. Leonhard in Freiburg, 13. Juni 1984


Liebe junge Menschen,
Seid bedankt für diesen Empfang. Seid bedankt für eure Anwesenheit. Es ist für mich eine grosse Freude, diesen Abend mit euch zu verbringen. Ihr seid Träger der Zukunft der Gesellschaft der Kirche. Es ist mein Wunsch, dass diese Augenblicke, die wir miteinander in Freude, im Zuhören, in der Reflexion und im Gebet erleben, für euch, für mich und für diejenigen, die uns von ferne folgen, ein grosses Zeichen der Hoffnung darstellen mögen.

Durch euch und mit euch will der Geist Christi seine Kirche beleben und eine gerechtere, solidarischere, brüderlichere Welt aufbauen. Seien wir heute abend und morgen gemeinsam immer offener für den Geist Christi!

Liebe junge Menschen,
1. Euer Zeugnis und eure Fragen würden eine lange Diskussion verdienen. Alle Probleme, die ihr angeschnitten habt, sind sehr ernst zu nehmen und zeigen eure Besorgnisse angesichts der Welt und der Kirche von heute und morgen. Es ist mir unmöglich, in wenigen Minuten auf alles zu antworten. Ich wünsche jedoch, dass ihr unseren Gedankenaustausch von heute abend mit den Verantwortlichen euerer Jugendbewegungen, mit euren Katecheten, Priestern und Bischöfen weiterführt.

Von mir aus möchte ich mich mit dem einen oder anderen Punkt befassen, der mir grundlegend erscheint und die Frage berührt, die sich die Jugend der ganzen Welt stellt. Ich habe die gleichen Probleme mit jungen Leuten zahlreicher anderer Länder angesprochen: in Rom, Paris, Lourdes, Wien, Warschau, Lissabon, Galway, Cardiff, Boston, Mexiko, Belo Horizonte und Seoul.

Die Zukunft der Welt erscheint euch eher trübe. Arbeitslosigkeit, Hunger, Gewalt, die Bedrohung der Menschheit durch das Anhäufen von Waffen mit entsetzlicher Zerstörungskraft, das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen Nord und Süd, die geistige Verarmung der Konsumgesellschaft in zahlreichen Ländern sind alles Ursachen von Unruhe und Ängsten.

Euch jungen Leuten sage ich: Lasst euch nicht von Schwarzseherei und Entmutigung unterkriegen! Ihr seid die Welt von morgen. Von euch in erster Linie hängt die Zukunft ab. Von uns Älteren empfangt ihr eine Welt, die euch enttäuschen mag, aber sie hat gleichzeitig ihre Reichtümer und Schwächen, ihre Werte und Gegenwerte. Die ausserordentlichen Fortschritte der Wissenschaft und der Technik sind zwiespältig. Sie können dem Besten und dem Schlimmsten dienen. Sie können Menschenleben retten oder vernichten. Sie können eine bessere und gerechtere Güterverteilung der Welt ermöglichen oder aber die Anhäufung der Güter in den Händen kleiner Gruppen, was das Elend der Massen noch vermehrt. Sie können den Frieden begünstigen oder aber die Menschheit mit der Bedrohung durch schreckliche Zerstörungen belasten.

2. Alles hängt davon ab, welcher Gebrauch vom Fortschritt der Wissenschaft und Technik gemacht wird. Alles hängt letzten Endes vom Herzen der Menschen ab. Das Herz der Menschen ist es, das man ändern muss. Zweifellos gilt es, gewisse Strukturen zu verändern, die Ungerechtigkeit und Elend hervorrufen, aber gleichzeitig muss man das Herz der Menschen ändern.

Hier, liebe junge Leute, ist die Grossbaustelle der Welt, auf der ihr euch einsetzen müsst. Arbeitet gemeinsam mit euren Händen und Herzen, mit eurem Verstand und eurem Glauben am Aufbau einer neuen Welt, in der es allen möglich sein soll, in einer Atmosphäre der Sicherheit und des gegenseitigen Vertrauens zu leben und sich zu entfalten.

Durch Hass, Gewalt und Unterdrückung - wie immer diese aussehen mag - wird man nicht die Zukunft der Menschheit bauen. Auf dem Triumph des Egoismus von einzelnen und Gruppen erbaut man nicht die Zukunft der Menschheit. Die Zukunft der Menschheit kann nicht auf einem falschen Freiheitsbegriff errichtet werden, der die Freiheit der anderen nicht respektiert. Die Konsumgesellschaft, in der wir leben, und die Angst vor einer ungewissen Zukunft, verleiten dazu, nach der eigenen unmittelbaren Befriedigung zu suchen. Man zieht sich zurück auf sein kleines persönliches Glück, auf seine Gefühle, dreht sich im Kreis, ist überreizt, unaufhörlich auf der Jagd nach neuen, rasch wieder vorübergehenden Erregungen, und ist einzig auf sich selbst und seine Vergnügen bedacht. So kann man eigentlich nicht leben. Das ist nicht die Welt, die ihr haben wollt. Das wäre eine hoffnungslose Welt, die das Leben des Menschen jedes Sinnes entleerte.

3. Ihr habt für die Lesung aus dem Evangelium den Bericht über die Brotvermehrung vorgesehen. Jesus hat die Brote vermehrt, damit sie an alle Anwesenden ausgeteilt würden, und er trägt den Jüngern diesen Dienst auf.

Christus ist es, der euch alle heute zu einem ernsthaften und beharrlichen Einsatz für eine brüderliche Verteilung der materiellen und geistigen Güter aufruft, die in der Welt in ungeheurer Menge vorhanden sind. Beginnt damit heute in euren Schulen, an euren Lehr- und Arbeitsplätzen, in euren Wohnvierteln, in euren Dörfern. Beginnt damit heute durch echte Hinwendung zu den anderen und ihren Bedürfnissen, durch den Geist des Dienens und der bürderlichen Hilfe, durch den Sinn für Gerechtigkeit, durch die Einübung der Selbsthingabe. Die Umwandlung der Welt beginnt heute bei euch und in eurer Umgebung.

Doch für die Verwirklichung dieser grossartigen Aufgabe, für die ihr der zukünftigen Menschheit gegenüber verantwortlich seid, gibt es eineige unerlässliche Bedingungen. An zwei davon möchte ich euch erinnern.

4. Um eure Sendung zu erfüllen, dürft ihr nicht an der Oberfläche eurer Person leben, sondern müsst tiefer gehen. Es gilt, die Tiefendimension der menschlichen Person zu erschliessen: die Kraftquellen eures Herzens, den Wert der anderen, den Sinn des Geschehens. Ein oberflächliches Dasein löst schmerzliche Unzufriedenheit aus. Ist das nicht das Unbehagen, das viele junge Menschen spüren, die auf der Suche nach einem echten Weg sind? Das Echte findet sich in der Tiefe. Eine "Tiefe", wie die Droge sie vortäuscht, ist etwas Künstliches. Es gibt aber leider eine Pseudo-Erkenntnis, eine Pseudo-Freiheit, ein naives sexuelles Sich-gehen-lassen, die ebenso gefährliche und tödliche Drogen sind wie die Halluzinogene.

Sich seiner selbst bewusst werden, sich selbst präsent zu sein, die wahren Sehnsüchte der Person aufzudecken, seine Fähgikeiten und seine Grenzen zu erkennen und anzunehmen - das sind auch die Vorbedingungen für eine echte Beziehung zu den anderen. Schliesslich müssen wir in uns selbst und in den anderen die geheimnisvolle Gegenwart Gottes entdecken, von dem wir das Leben haben, in dem wir uns bewegen und sind (vgl. Apg 17,28); wir müssen die Quelle eines neuen Lebens und eines neuen Dynamismus zur Umgestaltung der Welt entdecken. Ohne mich, sagt uns Jesus, könnt ihr nichts tun (vgl. Joh15,5).

Wenn ihr es versteht, euch vom Lärm zu lösen und still zu werden, um zu euch selber und zu Gott in euch zu finden, dann werdet ihr den zersetzenden Einflüssen der äusseren Welt und dem Egoismus, der sich immer wieder im eigenen Inneren erhebt, Widerstand leisten können. Genau vor einem Jahr habe ich es zu meinen jungen Landsleuten in Jasna Gora so gesagt: "Ich wache, das bedeutet, dass ich mich bemühe, ein Mensch mit Gewissen zu sein. Dass ich dieses Gewissen nicht betäube, nicht umforme. Dass ich Gut und Böse beim Namen nenne, nicht aber verwische. Dass ich mir das Gute herausarbeite udn mich bemühe, vom Bösen loszukommen." (Ansprache vor polnischen Jugendlichen am 18. Juni 1983 in Jasna Gora)

Ihr werdet Gottes Plan für jeden von euch, der in eure Fähigkeiten und Grenzen eingetragen ist, nur entdecken um den Preis eines tieferen Nachdenkens und des Stillewerdens.

Wenn wir von Wissen um sich selbst, von Innerlichkeit, Besinnung und Stille sprechen, so ist das keine Aufforderung zur Flucht aus der Wirklichkeit, sondern im Gegenteil zu ihrer gründlichen Erforschung, um ihre geistige Dimension zu entdecken. Es geht also nicht darum, am Rande des Lebens zu stehen, sondern in seine Mitte vorzudringen, um im Glauben dem Geist zu begegnen, der in unseren Herzen und in den Herzen der Menschen am Werk ist.

Unser Blick auf die Menschen und die Ereignisse ist allzuoft kurzsichtig. Wir sollten doch jedem Menschen mit unendlicher Hochachtung gegenübertreten und im Kern der Ereignisse lesen, worum es zutiefst geht, sollten die hochgespielten oder lächerlich gemachten Werte erkennen, das Wirken des Heiligen Geistes, das von den Menschen angenommen oder durchkreuzt wird.

In der Taufe und in der Firmung ist euch der Heilige Geist geschenkt worden. Er wird euch leiten bei der Suche nach persönlicher Verinnerlichung und nach dem verborgenen Sinn der Ereignisse. Seid offen für Christi Geist: Er ist der Geist der Wahrheit, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Was ich euch vorschlage, ist eine grosse Sache. Das Erringen einer grösseren Tiefe ist der Schlüssel zu einem Leben, das sich zu leben lohnt, weil es zu einer ausserordentlichen, niemals abgeschlossenen Entdeckung seiner selbst, der anderen, der Welt und Gottes wird. Es ist auch der Weg zu brüderlicher Gemeinschaft zwischen allen Menschen, gegründet auf der Gemeinschaft mit Gott in Christus und seinem Geist.

5. Doch um dieses wahrhaft geistliche Abendteuer bestehen zu können, muss man - und das ist mein zweiter Hinweis - in Gemeinschaft, in der Kirche, leben. Ist nicht gerade die Kirche die Gemeinschaft derer, die an Jesus glauben und die sich von seinem Geist schon jetzt auf den Wegen des Reiches Gottes führen lassen wollen? Wenn ihr eine neue Welt aufbauen wollt, dann macht euch gemeinsam daran, euren Blick zu vertiefen, eure Standpunkte mit Hilfe des Wortes Gottes zu stärken, euch gegenseitig zu helfen im täglichen Einsatz, euch an Tagen der Mutlosigkeit gegenseitig Stütze zu sein. Die Kirche sollte - nein, was sage ich - sie muss diese brüderliche Gemeinschaft sein, wo man seine Kräfte erneuern, seine Freuden und Sorgen teilen, sich im Glauben und im Gebet vereinen kann, wo man gemeinsam in der Eucharistie das Kreuzes opfer und die wirkliche, geheimnisvolle Gegenwart des auferstandenen Christus feiert, sich aus ihm und seinem Geist nährt.

Ihr habt recht, in unseren Gemeinschaften, in unseren Pfarreien muss wieder ein echtes Zusammenleben zustande kommen. Die Sonntagsmesse muss mit grösserer Freude und intensiver erlebt werden. Euer Platz soll in euren Pfarrgemeinden sein! Ihr sollt präsent sein, um der Kirche eine neue Jugend zu geben, um ihr immer mehr ein Gesicht "ohne Flecken, ohne Falten" zu geben, wie Christus es wollte (Eph 5,27).

Doch erlaubt, dass ich euch auch sage: Habt ein wenig Geduld! Eine christliche Gemeinde, die aus Menschen verschiedenen Alters und ganz verschiedener Mentalität besteht, lässt sich nicht an einem Tag umgestalten. Jeder hat seine Qualitäten, aber auch seine Schwächen und seine Grenzen. Solltet ihr nicht zuerst den Wert dessen anerkennen, was diejenigen, die euch vorausgingen, oft unter Mühen aufgebaut haben? So werdet ihr ein Zeugnis von eurer Reife geben. Glaubt mir, die ganze Kirche zählt auf euch, sie braucht euch, um immer mehr das zu werden, was sie sein soll: eine grosse, lebendige, brüderliche Familie von Gläubigen, die offen sind für Christi Geist, die mitten in der Welt Zeugnis geben von dem Heil, das Christus uns gebracht hat, und die unergründliche Liebe bekunden, die den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist vereint.


Ja, meine lieben jungen Freunde, sucht, vom Geist Christi beseelt, die Tiefe in einer Welt, in der euch alles zu oberflächlichem Konsum auffordert. Findet euch zusammen, bildet lebendige Zellen der Kirche Christi! Dann werdet ihr Menschen, die wie Christus für die anderen da sind. Ihr werdet mti allen jungen Leuten der Welt eine neue Zivilisation der Gerechtigkeit und der Liebe aufbauen.

Einen sehr herzlichen Gruss in ihrer Muttersprache richte ich heute Abend auch hier schon an die deutschsprachigen Jugendlichen in der Schweiz. übermorgen werde ich Gelegenheit zu einer gleichen brüderlichen Begegnung mit ihnen in Einsiedeln haben. Meine Worte an die Jugend hier in Freiburg und dann in Einsiedeln gelten unterschiedslos euch allen, die ihr euch in diesem Land zu Christus bekennt oder euch noch auf dem Weg zu ihm befindet. Christus führe euch alle seinen Weg zur Wahrheit und zum Leben!









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